Wie europäisch ist Wien?

Dienstag, November 22, 2011
By Hauke Petersen

Bericht über eine Fahrt der JEF SH in die österreichische Hauptstadt

Zwölf junge EuropäerInnen aus dem Land zwischen den Meeren besuchten Mitte November die österreichische Hauptstadt Wien, um diese von ihrer europäischen Seite kennenzulernen.

Am ersten Tag stand eine umfangreiche Stadtführung auf dem Programm. Dabei besichtigten wir zuerst den Wiener Ring, die dortige Prachtstraße mit Burgtheater, Parlament, Universität und Rathaus. Hier erhielten wir einen ersten Eindruck vom Wiener Leben um 1900 und von der habsburger Doppelmonarchie mit ihrem Vielvölkerstaat. Über die Hofburg ging es dann zum Stephansdom, von dort zum Karlsplatz, zur Wiener Secession und zum Naschmarkt. Die unterschiedlichen Baustile wurden betrachtet und in den gesamteuropäischen Kontext eingeordnet. Das Ende des ersten Tages wurde auch kulinarisch europäisch weitergeführt – es gab böhmische Küche.

Am zweiten Tag unserer Reise besuchten wir das Leopold-Museum, in dem es eine herausragende Sammlung aus Malerei, Architektur und Design Wiens um 1900 zu sehen gab. Im Anschluss wurde munter über die Einflüsse der Künstler diskutiert und der Frage nachgegangen, was an den ausgestellten Objekten europäisch war und was nicht. Am Nachmittag wurden wir in die Welt der Kaffeehäuser eingeführt. Diese erst durch die türkischen Belagerungen denkbar gewordenen Zentren des gesellschaftlichen Lebens in Wien boten uns zunächst bei der obligatorischen Melange die nötige Erholung, dann Ort zur Diskussion. Mit Philipp Agathonos, Diplomat im Bundesministerium für Europa und internationale Angelegenheiten Österreichs und zugleich Vizepräsident der Union Europäischer Föderalisten (UEF) sprachen wir über die finanzielle Krise und wie Europa aus dieser herauskommt ebenso wie über die europakritische Haltung vieler Österreicher und wofür die Gründe dafür liegen. Aus der UEF berichtete Agathonos, dass die Forderungen nach einem Kerneuropa immer größer würden, da eine weitere Integration mit 27 oder mehr Staaten nicht zu leisten sei.

Am Vormittag des dritten Tages besichtigten wir die UNO-City. Das internationale Flair eines der vier großen UN-Vertretungen mit über 4000 Mitarbeitern war beeindruckend, wir erfuhren unter anderem, dass die UNO jedes Jahr den unglaublichen Betrag von 7 Cent für die Miete der Gebäude an den österreichischen Staat abtritt. Leider war der inhaltliche Ertrag der Führung darüber hinaus nicht sehr groß. Am Nachmittag fuhren wir zum Karl-Marx-Hof, der ein eindrucksvolles Beispiel für die Geschichte Wiens der 1920 und 1930 Jahre mit der umfangreichen Baupolitik und der Niederschlagung der Arbeiterbewegung durch den Faschismus darstellt. Danach ging es zum Zentralfriedhof, einem der größten in Europa, der vor allem durch seine im Jugendstil gebauten Kirche und die vielen Ehrengräber bekannt ist. Am Abend trafen wir Vertreter der JEF Österreich. Hier sprachen wir über die Organisationsstruktur der dortigen JEF, die in großem Maße in die europapolitische Bildungsarbeit Österreichs eingebunden ist und hier Maßstäbe setzt.

Am letzten Tag stand der Stephansdom im Mittelpunkt unseres Programms, der von ganz oben (Turmbesteigung) bis ganz unten (Führung durch die Gruft) besichtigte wurde. Daneben blieb an diesem Tag viel Zeit für individuelle Gestaltung, die vor allem mit Einkäufen und Museumsbesuchen genutzt wurde.

Nach vier intensiven und spannenden Tagen brachen wir wieder nach Schleswig-Holstein auf. Es blieb die Erfahrung einer Stadt, in der sich europäische Kulturen und europäische Geschichte(n) eindrucksvoll erfahren lassen.

Bilder der Fahrt sind auf unserer Facebook-Seite zu finden.

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