Was hat Europa mit den Uni-Protesten zu tun?

Freitag, November 13, 2009
By Hauke Petersen

Derzeit wird an vielen Unis in Deutschland, Österreich und anderswo gestreikt. StudentInnen besetzen die großen Hörsäle, legen den Lehrbetrieb zumindest in Teilen lahm und fordern so bessere Studienbedingungen. Die Hauptkritik richtet sich – neben der chronischen Unterfinanzierung der Bildung – vor allem gegen den sogenannten Bologna-Prozess.

Doch was bedeutet “Bologna” eigentlich? Wurden in dieser italienischen Stadt wirklich nur Richtlinien ausgearbeitet, um Studierenden möglichst wenig Wahlfreiheiten zu geben und Hochschul-Bildung weiter zu ökonomisieren? Und warum wurden die altgedienten Abschlüsse Diplom, Magister und co abschafft?

Eine solche negative Analyse greift zu kurz: “Bologna” wurde geschaffen, um auf universitärer Ebene die Vergleichbarkeit von Uni-Leistungen und Abschlüssen besser gewährleisten zu können. Mit Bachelor und Master gibt es einheitliche Abschlüsse in allen am Bologna-Prozess beteiligten Staaten. Das hat enorme Vorteile für die Mobilität junger Menschen: Die Wahl des Arbeitslandes wurde erleichtert, Hürden bei der Anrechung nationaler Abschlüsse im Ausland abgebaut. Auch die Möglichkeit, sich Studienleistungen aus dem Auslandssemester anrechnen zu lassen, sind (in der Theorie) größer geworden. Kurzum: Die Flexibilität und Mobilität junger Menschen im europäischen Raum sollte gesteigert werden, die europäische Idee nicht durch bürokratische Hürden behindert und die Bildungspolitik von der nationalen auf die europäische Ebene gehoben werden.

Nun ist auch klar, dass die Umsetzung in vielen Bereichen des Bologna-Prozesses stark zu wünschen übrig läßt. Die Proteste der Studenten sind berechtigt. Allerdings sind die Ursachen in der mangelhaften Umsetzung durch die Nationalstaaten zu suchen. Hier bedarf es einer “Reform der Reform”. Die Idee selbst darf dabei aber nicht aus den Augen verloren werden. Das Ziel, Bildung und damit die Gestaltungsmöglichkeiten junger Menschen zu europäisieren, ist weiter zu verfolgen!

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One Response to “Was hat Europa mit den Uni-Protesten zu tun?”

  1. War nur eine Frage der Zeit, bis eine größere Gruppe der Studenten darauf aufmerksam werden, dass es mit der Umsetzung des Prozesses hapert! Wir als JEF sollten hier zwar nicht Partei ergreifen (sind ja eh überparteilich;-), aber den Kritikern und Entscheidern ein Forum zum Austausch bieten. Denn nur diese Reform kann nur gelingen, wenn die “Betroffenen” auch Einfluss nehmen und ihre Wünsche artikulieren.

    #2987

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